150-Jahr-Feier


Ein Haus auch für den Blauen Montag
Klenkes Gasthaus in Langwedel besteht seit 150 Jahren

LANGEWEDEL. Mit amüsanten Geschichten würzte Rundfunkmoderator Erwin Odermatt gestern Vormittag den Neujahresempfang in Klenkes Gasthaus, der den Auftakt zu den Feierlichkeiten eines seltenen Jubiläums darstellt: In diesen Jahr wird das 150-jährige Bestehen des Gasthauses gefeiert.

vlnr: Gerhard Behling, Heidrun Buschmann, Inhaber Axel Klenke, Lisa Klenke, Friedrich Hinrichs, Werner Klenke, Erwin OdermattPersönliche Einladungen hatte das Organisationsteam um Axel Klenke, Friedrich Hinrichs und Gerhard Behling nicht ausgesprochen, dennoch war der Saal voll.
An den festlich dekorierten Tischen waren die Stühle schnell besetzt, wer später kam, fand an Stehtischen Platz oder begnügte sich mit einem Stehplatz an der Seite. Langwedeler Vereine schickten Abordnungen, um den Seniorchefs Lisa und Werner sowie Inhaber Axel Klenke und seiner Ehefrau Heidrun zu gratulieren. Firmeninhaber machten ihre Aufwartung und auch private Gäste kamen.

"Um einige Ihrer Schweine vor den Behörden zu verstecken, brachte Familie Müller die Tiere im Bühnenkeller unter", erzählte Odermatt. Als die Beamten kamen, um die Schweine des Hofes zu registrieren, fütterten Müllers die Vierbeiner mit Bier. "Die Schweine schliefen tief und fest", sagte der Moderator, "und gleichzeitig wurde oben eine Feier veranstaltet, so dass niemand etwas von den Tieren mitbekam."

150-Jahr-FeierDoch es waren nicht nur Anekdoten, die der Festredner den Gästen vortrug. Er erzählte die Geschichte der Familie Müller, die vor anderthalb Jahrhunderten in Langwedel eine Ausspannwirtschaft gründete. "Der Betrieb hat die Zeit überstanden", sagte Odermatt, "und wurde immer fortgeführt, was Unternehmergeist beweist". Da die Familie Müller im Lande geblieben ist, habe sie auch den Ort mitgeprägt.
"Feuersbrünste, die ganze Straßenzüge vernichteten, setzten Langwedel im 19. Jahrhundert öfter zu", sagte Odermatt. So brannte in den 50er Jahren das Haus der Familie Müller nieder. "Doch Jacob Müller und Ehefrau Stine verzweifelten nicht", erzählte Odermatt, "bereits ein Jahr später war das Haus wieder aufgebaut." Das war 1857. Die Inschrift ist im Giebel zu lesen.

Die Familie erkannte, dass ein Ausspann notwendig war, die schlechten Wege waren der Grund dafür. Nicht nur Frachtfahrer, auch Kutschen, in denen Menschen reisten, machten bei Müllers Halt. Zum Umspannen hatte die Familie mindestens zwölf Pferde im Stall, wie es das Gesetz erforderte. Auch die Postkutscher, die von Bremen über Achim nach Verden fuhren, kamen zum Umspannen in die Langwedeler Gaststätte.

150-Jahr-FeierDer Bau der Bahnlinie von Bremen nach Hannover - Langwedel war Station - gab dem Ort Auftrieb, so Odermatt. Als dann noch die Abzweigung nach Uelzen hinzukam, erkannte Familie Müller, dass eine Gastwirtschaft angebracht war. Später feierten die Zigarrenmacher bei Müllers ihren Blauen Montag. "Das sollte man wieder einführen", sagte Odermatt augenzwinkernd, die Zuschauer lachten.
"Müllers Gasthaus war Grünkohllokal für viele örtliche Vereine und den SPD-Ortsverein", berichtete Odermatt.

Auch private Gäste waren willkommen, denn früher, so der Moderator, gehörte es zum guten Ton, in die Kneipe zu gehen. Allerdings zum Würfel- und Kartenspielen, nicht nur zum Trinken. 1975 übernahm Lisa Klenke, geborene Müller, die Gaststätte. Sie hatte für die Sorgen und Nöte ihrer Gäste immer ein offenes Ohr und so manch guten Rat, sagte Odermatt. Seit 13 Jahren leitet Hotelbetriebswirt Axel Klenke das Gasthaus. "Er hat immer ein volles Haus. Der beste Beweis dafür, dass er alles richtig macht", lobte Odermatt.

Anschließend eröffnete Axel Klenke das Buffet. Die Gäste nutzten die gesellige Runde, um sich ein paar schöne Stunden zu machen und miteinander zu plaudern.
 

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